Ideen sind einfach. Operationalisierung ist alles.
20. Mai 2026
Im Follow-up eines AI-Envisioning-Workshops wurde klar: Nicht die Menge an Ideen entscheidet, sondern die Fähigkeit, daraus fachlich belastbare und umsetzbare Use Cases zu machen.
Ich schreibe darüber, weil in vielen Organisationen genau jetzt derselbe Schritt ansteht: vom Inspirationseffekt in die operative Umsetzung. Der Unterschied entsteht in der fachlichen Präzisierung, nicht im Tool-Stack.
Ideen entstehen schnell. Wert entsteht erst dann, wenn aus einer Idee ein sauber definierter und umsetzbarer Use Case wird.

Die Location hat gut zum Zielbild gepasst: Klarheit schaffen, bevor Technik entscheidet.
Vor ziemlich genau vier Wochen hatten wir den ersten Termin. Damals ging es um die Grundlagen: Was koennen Agenten eigentlich? Wie wirken sie im Prozess? Wo entsteht konkret Mehrwert?
Am Ende standen mehr als 50 Ideen auf dem Tisch, grob priorisiert. Das ist ein starker Start. Aber: Ideen ohne Plan und ohne konkrete Massnahmen bleiben Potenzial auf Papier.
Follow-up vor Ort: fachlich schaerfen statt technisch abbiegen
Im Follow-up-Workshop lag der Fokus bewusst auf der Fachlichkeit. Also auf Fragen wie:
- Was soll konkret bewirkt werden?
- Wer genau ist die Zielgruppe?
- Was ist der Trigger?
- Was ist Input und was ist Output?
- Was liegt im Scope - und was ganz bewusst nicht?
- Wie gross sollte ein Agent werden: ein grosser Agent oder mehrere kleine?
Zwei Use Cases haben wir mit 20-25 Personen im Plenum durchgearbeitet. Genau dort wurde es spannend: Die Diskussion war divers, kontrovers und am Ende besser als jede Einzelsicht.
Was parallel sichtbar wurde
Die Diskussion wurde schnell breiter:
- Was passiert, wenn Agenten immer mehr Logik uebernehmen?
- Braucht es perspektivisch noch klassische Low-Code-Ansatze?
- Sollten High-Code-Optionen, zum Beispiel mit Azure Foundry, von Anfang an mitgedacht werden?
Das zeigt, wo viele Organisationen gerade stehen: mitten in der Orientierung.
Drei Punkte aus der Abschlussdiskussion
- KI ist eine Reise, und der Zug faehrt bereits schnell. Die Herausforderung ist, die Organisation mitzunehmen und ein Umfeld zu schaffen, in dem man ausprobieren kann, ohne Chaos zu erzeugen.
- Es braucht mehr gedankliche Vorarbeit, als viele erwarten. Ideen entstehen schnell. Sie so weit zu konkretisieren, dass man sie umsetzen kann, ist echte Arbeit. Das kann parallel zur Einfuehrung passieren.
- Ohne klare IT-Strategie wird es schwer, eine tragfaehige KI-Strategie aufzubauen. Fragen nach Best-of-Breed, Vendor-Strategie, Skalierung, Sicherheit, Kosten und Adoption kommen automatisch.
Eine Frage kam mehrfach: Machen das andere Unternehmen auch gerade? Die ehrliche Antwort: ja. Genau diese Diskussionen laufen derzeit an vielen Orten.

Operationalisierung beginnt nicht im Prompt, sondern im gemeinsamen Verstaendnis von Ziel, Scope und Wirkung.
Mein Fazit: Der organisatorische und rechtliche Rahmen ist die Basis. Ideen gibt es in jedem Umfeld genug. Entscheidend ist die Faehigkeit, aus Ideen belastbare, umsetzbare Use Cases zu machen - zuerst fachlich, danach technisch.